Du lebst deinen Alltag. Du gehst in die Schule, machst die Hausübung und lernst für die nächste Schularbeit. Während dein Wohlstand für dich selbstverständlich ist und du gemütlich in deinem Bett einschlafen kannst, können das andere nicht. Sie sind leider obdachlos. Das wird dir erst bewusst, als du es live im Vinzidorf in Graz siehst. Als du dort mit Menschen sprichst, verstehst du auf einmal, wie schnell Menschen in die Obdachlosigkeit rutschen können, aber du siehst auch die Kraft, mit der sie neu ins Leben starten wollen. Diese Erfahrung überwältigt dich. Deine Sorgen scheinen nun relativ gering, denn diese Menschen wollen nur einfach nur etwas zu essen, schlafen und grundlegende Hygiene, die ihnen möglich ist.
Dein Gefühl verstärkt sich, als du später die Synagoge in Graz besuchst. Du hast bereits viel über den schrecklichen zweiten Weltkrieg und die Judenverfolgung gelernt. Das jemand aufgrund seiner Religion diskriminiert wird, erscheint dir fremd und unreal. Doch als du die Geschichten von damals wieder hörst, weckt dies dein Mitgefühl. Du siehst kleine Metallplatten mit Inschriften, die vor ehemaligen Wohnsitzen vertriebener oder ermordeter Juden angebracht wurden. Dir wird bewusst, wie wertvoll Frieden ist und dass jeder Mensch und jede Religion respektiert werden müssen.
An diesem Tag wurde Ethik für dich real. Du erkennst, dass es nicht immer nur um dich geht. Es gibt andere Menschen die Hilfe brauchen, Minderheiten, die auch heute noch aufgrund ihrer Religion verfolgt werden. Du dankst deinen Professoren für diese Ethik-Exkursion, denn du wurdest wieder einmal daran erinnert, wie gut es dir geht.